Laura de Weck – Was macht ein gutes Buch aus?

Shownotes

Laura de Weck erzählt im «Sternen Malans» von ihrer Kindheit und Jugend in einem Haus voller Bücher und schreibender Menschen, von ihrem ersten Drehbuch, das sie mit zwölf geschrieben hat und sagt, warum das Theater für sie immer noch der freieste Ort für die Sprache ist.

Sie spricht auch darüber, wie sie mit der Doppelrolle als Autorin und Moderatorin beim SRF Literaturclub umgeht, berichtet von den neuen Herausforderungen, welche diese prominente Rolle im Literaturbetrieb mit sich bringt und sie sagt auch, wie die Redaktion die Bücher für die Sendung ausliest und was für sie ein gutes Buch ausmacht.

Eine Lanze für den Kulturjournalismus

Zum Zustand des Kulturjournalismus sagt sie klar: «Dem geht es sehr schlecht, das ist Fakt und das ist traurig.»

Schnelle Lösungen für den Niedergang des Feuilletons hat auch sie nicht bereit, plädiert aber dafür, dass staatliche Förderung unbedingt ein Teil der Lösung sein müsse, wie bei der Kulturförderung. Denn Kultur sei keine verzichtbare Beigabe, sondern existenzieller Teil unserer demokratischen Gesellschaften.

Laura de Weck erzählt aber auch, warum ihre Werke immer dialogisch sind, spricht über ihr neues Theaterstück und ihre neue TV-Serie, die sich an Arthur Schnitzlers «Der Reigen» orientiert.

Transkript anzeigen

00:00:10: Melanza Gespräche, der Podcast

00:00:17: mit illustren Gästen

00:00:18: aus dem Kulturlokal in Kollaboration mit dem Online-Magazin Frieda.

00:00:25: Wir erladen die Gäste von weit und nahe

00:00:27: zum Livegespräch

00:00:28: und zum Gedankenausdusch mit dem Publikum in unser Lokal ein.

00:00:33: Wir produzieren daraus den Podcast und fragen unsere Gäst nach ihrer persönlichen Motivation ihren Überzeugungen und Beweggründen – und nicht zuletzt wenn wir wissen, wie!

00:00:45: Und warum Sie das machen, was sie machen.

00:00:59: Herzlich willkommen liebes Publikum zur vierten Ausgabe der Malanser Gespräche einer Veranstaltung vom Kulturlokal Sternen in Malans und vom Friedermagazin!

00:01:11: Wir laden hier Gäste aus Nah-und Fern ein zu Gesprächen die auch als Podcast aufgezeichnet werden Und ich danke Nick Schmid und seiner ganzen Crew vom Sternen Malams, dass sie dieses Format möglich machen.

00:01:24: Wir von unseren Magazinen glauben auch daran, dass solche Formate, die an etwas Peripherienorten stattfinden eine große Zukunft haben.

00:01:34: Wir freuen uns, dass diese Reihe in Zukunft weitergehen wird!

00:01:39: Mein Name ist Matthias Balzer, ich bin der Co-Gründer von Edition Frieda und vom gleichnamigen Kulturmagazin.

00:01:46: Für die Aufnahme des Podcasts ist Avis Liemann von der Cine Seven zuständig!

00:01:52: Und unser Gast kommt heute aus Hamburg – die Autorin und Moderatorin Laura DeWeck.

00:02:00: Laura ganz herzlichen Dank und herzlich willkommen!

00:02:03: Ja vielen Dank, ich freue mich sehr hier zu sein.

00:02:06: Ich danke dir auch, dass du ... Du hast wahrscheinlich eine recht volle Agenda.

00:02:10: Dass du überhaupt Zeit findest dich den Fragen eines anderen Moderators zu stellen weil du bist ja im Moment hauptsächlich Moderatorin oder auch nicht.

00:02:20: Darauf kommen wir sicher noch zu sprechen.

00:02:24: Danke das du hier bist

00:02:26: Sehr gerne.

00:02:27: Medial präsent bist du zurzeit Vor allem als Gesprächsleiterin des Literaturklubs auf SRF.

00:02:34: Du schreibst jedoch immer noch fürs Theater, du schreibest an einer Fernsehserie und auch einen Filmdrehbuch.

00:02:42: Und du bewahrst dir von deinem Lebensort Hamburg aus einen frischen Blick auf die Schweizer Politik!

00:02:50: Überall.

00:02:51: dies werden wir in der kommenden Stunde miteinander sprechen.

00:02:55: Ich möchte dich aber erst noch einmal ein bisschen vorstellen, den Leuten hier die vielleicht nicht alles über Dich wissen!

00:03:02: Du bist in Zürich geboren und aufgewachsen in Paris, Hamburg und Zürch.

00:03:09: Du hast Schauspiel studiert an der Hochschule der Künste in ZÜRICH Und du hast ihr ganz früh als Dramatikerin einen Namen gemacht.

00:03:16: Ein erster Stück Lieblingsmenschen, das in den Jahren die Zeit von Werner Dücklin unter der Regie wurde geführt und auch in mehrere Sprachen übersetzt.

00:03:29: Es folgten dann weitere Stücke z.B.

00:03:31: Summ-Summe – darauf komme ich nachher noch – für die Nacht oder das Archiv der Unvollständigen mit Tom Lutz Und du hast, wenn ich es richtig gelesen habe, glaube ich fast zehn Jahre lang eine Kolumne im Tagesanzeiger geschrieben.

00:03:52: Von denen einige auch als Buch mit dem schönen Titel Politik und Liebe bei Diogenes herauskamen.

00:04:15: Was ich jetzt noch nicht gesagt habe, ist dass du eigentlich einen recht starken Bezug zu Graubünden hast.

00:04:21: Wir beide haben uns eigentlich auch in Graubinden das erste Mal gesehen – nämlich an der Uraufführung deines Stücks Zoom-Zoom im Theater Kuh.

00:04:29: Das war in dem Jahr zwei Tausend Acht.

00:04:32: Damals war Markus Luxinger, der künstlerische Leiter.

00:04:36: Der hatte ja auch gleich hier nebenan in Malans gewohnt.

00:04:42: Und du hast auch noch einen weiteren starken Bezug zu Graubünden, oder kannst Du uns das erzählen?

00:04:48: Ja ich verbringe eigentlich alle meine Ferien im Graubinden und zwar in Cent.

00:04:55: Meine Familie oder meine Eltern haben da ein Haus und wir sind seitdem wahnsinnig verbunden.

00:05:02: zu Cent Ich komme jetzt gerade aus Vikusoprano habe ich da ein paar Tage verbracht und ich dachte ja immer Cent ist das allerschönste Dorf in Graubünden.

00:05:12: Und jetzt war ich im Vicosopranum, und jetzt bin ich hier und merke dass es ja voller der schönsten Dörfer von ganz Graubinden.

00:05:21: also ich bin jedes mal immer wieder tief ergriffen von dieser Natur, von dieser Ruhe und von dieser Seele dieses Ortes.

00:05:32: Natur ist ein gutes Stichwort.

00:05:33: Ich habe einen Zitat von dir gefunden in der Schweiz zu illustrierten, dort hast du einmal gesagt ich bin nicht so ein Naturmensch, wenn nicht zwischen Kultur und Natur wählen müsste würde ich immer die Kultur nehmen.

00:05:48: heißt das dass du auch schon als Kind mehr gelesen hast als mit Meerschweinchen gespielt?

00:05:55: war das schon immer so?

00:05:57: Ja, so ist es.

00:06:00: Ich dachte immer ich habe mehr Mitleid mit Menschen als mit Tieren glaube ich.

00:06:07: oder ich bin vielleicht auch ein bisschen besessen vom Menschen und ich will immer wissen was deren Leben ist, was deren Schmerzen ist und das beschäftige mich eigentlich den ganzen Tag in allen meinen Texten.

00:06:20: Und eben mit der Natur konnte ich lange, lange nichts anfangen und ich glaube dass ich jetzt so auch immer wieder den Weg in die Natur suche.

00:06:28: habe ich irgendwann gedacht okay jetzt bin ich eben auch älter geworden.

00:06:31: vielleicht hat das was mit dem Älterwerden zu tun.

00:06:34: Mit der Suche nach Ruhe, mit der Suchen nach Ausgleich und eine Form Die Gedanken die nicht ständig von Menschen sozusagen durchbrochen werden, sondern die einfach mal laufen zu lassen.

00:06:52: Das mache ich jetzt mit großem Vergnügen.

00:06:54: Ich habe es vorhin gesagt du bist in Städten aufgewachsen auch in großen Städtern und das heißt die Natur braucht... das kommt wieder ins Spiel eigentlich ein bisschen als Erholungsraum von der Urbanität.

00:07:05: Ja, definitiv.

00:07:06: Ja.

00:07:07: Du hast gesagt, eure Familie hat ein Haus in Send.

00:07:10: Du bist in einer Familie aufgewachsen die glaube ich von Literatur und Journalismus ganz stark geprägt war.

00:07:18: Dein Vater Roger de Weg ist ein berühmter Journalist und war Chefredaktor von ganz vielen wichtigen Medien Was vielleicht wenige Leute wissen, dass ihr und du nicht die einzigen sind in deiner Familie, die schreiben.

00:07:35: Das ist so oder?

00:07:37: Genau mein Bruder schreibt auch meine Mutter illustriert Kinderbücher und hat auch einige der Kinderbühcher selbst geschrieben.

00:07:44: Also genau, deswegen war für mich... Ich bin einfach in einem hausvoller Bücher aufgewachsen und natürlich auch gerade durch meine Mutter die eine große Sammlung an Kinderbüchern hat.

00:07:55: Bereits als Kind sind wir mit Kinderbühnern aufgewacht also einfach mit Erzählungen, mit Geschichten, mit Bildern und das hat mich sehr geprägt und das ist auch eine riesige Chance für mich gewesen dass ich das so dass ich das ja mit der Muttermilch geradezu mitbekommen habe.

00:08:13: Und das war dann auch nie was Besonderes, dass man liest und schreibt oder... Ich glaube, wie man in anderen Familien alle zusammen Sport machen oder alle zusammen Instrumente spielen.

00:08:26: War das bei uns einfach Lesen und Bücher?

00:08:29: Im Haus.

00:08:29: der Weg sind alle in ihrem Lese- und Schreibzimmer und Schreiben und treffen sich dann zum Essen!

00:08:34: Kann man sich das so

00:08:35: vorstellen?!

00:08:36: Naja, unter der Austausch über Bücher meine ältere Schwester war sie die klassische Leisratte.

00:08:42: Wenn Sie Freunde eingeladen hatten, mussten wir Geschwister mit ihren Freunden spielen weil sie sich verzogen hat mit Jules Verne Jules Verne gelesen hat, das war ich gar nicht.

00:08:51: Ich war von Anfang an begeistert vom Theater schon als ganz kleines Kind.

00:08:57: Hat mich die Sprache auf der Bühne interessiert aber die Bücher und deswegen will ich damit auch allen Mut machen.

00:09:05: Die denken oh Gott mein Kind liest nicht!

00:09:07: Das kam sehr spät.

00:09:10: Nach der Pubertät, siehzehn, siebzehn und dann intensiv gelesen habe ich erst als Studentin.

00:09:16: Also das heißt du hast auch noch nicht als Jugendliche geschrieben oder so?

00:09:19: Doch!

00:09:20: Ich hab mit zwölf ein Drehbuch geschrieben zwei Jeans Hosen in Amerika.

00:09:25: Wie ist das?

00:09:26: Ich muss es eigentlich mal vorwiedern nehmen.

00:09:28: Nein, das Dialogisch

00:09:29: schreibt... Alle allen Produzentinnen und Produzenten, die jetzt zuhören, es gibt noch einen Dreh Buch.

00:09:34: Es

00:09:34: gibt noch eine Dreh-Buch

00:09:35: über zwei

00:09:36: Jean-Hosen in Amerika.

00:09:38: da hatte man natürlich eben Das spricht auch für diese Zeit.

00:09:41: Die neunziger Jahre da haben wir alle geträumt von Amerika und dachten, da findet das spannende Leben statt und alle haben Jeans an und es ist cool!

00:09:49: Ich war jetzt gerade in Amerika weil ich dann eine Residency hatte, eine Autorenresidenzie und alle sprechen nur für Europa.

00:09:59: Und sind begeistert wie wir angezogen sind und was wir für Kultur machen und wie unsere Cafés aussehen.

00:10:07: und das hat sich komplett gekehrt.

00:10:09: also so wie ich als Kind zu Amerika hochgeschaut habe hab' ich den Eindruck dass jetzt die Jugendlichen in Amerika nach Europa gucken Vielleicht auch nur die Demokraten und nicht die Republikaner.

00:10:22: Aber das hat mich erstaunt, dass es da dieser Europa-Größe gibt.

00:10:27: Genau aber mein Drehbuch ging um zwei Teenager, die heimlich auf ein Schiff überfahrt nach Amerika wagen.

00:10:37: Okay!

00:10:38: Ihr müsst wieder einmal hervor.

00:10:40: Du schreibst ja auch an einem anderen Drehbuch.

00:10:43: darauf kommen wir später noch.

00:10:45: Du hast aber eben aus dieser Literaten- und Journalistenfamilie gesagt, Theater war für dich von Anfang an wichtig.

00:10:51: Und du hast die Schauspielschule gemacht und dann aber gleich kurz danach eigentlich dein erstes Stück auch veröffentlicht?

00:11:01: Hast du denn aber auch länger als Schauspielerin gearbeitet?

00:11:04: Ja!

00:11:05: Ja, genau.

00:11:07: Mein erstes Stück wurde veröffentlicht und dann habe ich – als ich mit Nick zusammen geprobt habe….

00:11:13: also wir haben Wojcek geprogt am Theater Basel und da bekam ich irgendwann in einer Pause die Nachricht vom Intendanten des Schauspielers aus Hamburg dass sie mich einladen Teil des Ensemble zu sein in Hamburg.

00:11:26: Und das erinnere ich so wie gestern, wie ich dann zu euch kam und gesagt habe oh mein Gott!

00:11:33: Ich ziehe nach Hamburg.

00:11:35: Das war sehr, sehr aufregend.

00:11:36: Und bin dann noch im gleichen Jahr nach Hamburg gezogen und hab da drei Jahre am Theater gespielt.

00:11:41: Da bist du auch geblieben in Hamburg?

00:11:43: Ja.

00:11:44: Ich habe mich verliebt.

00:11:48: Du hast die Familie und zwei Kinder.

00:11:50: Genau!

00:11:51: Jetzt haben wir zwei Kinder...

00:11:53: Mittlerweile, ich mach jetzt einen Sprung, mittlerweile bist du aber vor allem als Moderatorin tätig.

00:12:01: Nach deiner Schreibtätigkeit für das Theater, nach dem Schauspiel und wenn ich es richtig wahrgenommen habe schon vorher anderen Moderatoren Jobs.

00:12:13: Wie bist du zu dieser Aufgabe gekommen?

00:12:19: Wurdest du angefragt oder...

00:12:21: Ja, genau.

00:12:21: Ich wurde angefragt.

00:12:22: also ich war fünf Jahre bevor ich jetzt als Moderatorin beim Literaturclub angefangen habe, war ich fünf Jahre bereits in dieser kritiker Runde des Literaturglubs.

00:12:31: der Literatur Club Hat immer so acht Kritiker fest in der Runde und ich war eine davon.

00:12:36: Und hab das fünf Jahre gemacht, dann als Nicola Steiner die Moderatorin aufgehört hat und sich entschieden hat ins Literaturhaus Zürich zu gehen wurde eben jemand Neues gesucht und dann genau bekam mich die Frage ob ich gerne beim Casting mitmachen möchte.

00:12:53: Da

00:12:53: gab's ein Casting!

00:12:54: Ein sehr strenges Casting.

00:12:55: Das

00:12:56: kannst du ja auch schon spielen oder?

00:12:58: Genau, das ist eigentlich das ganz Gute.

00:12:59: Dass ich dann Erfahrung habe mit solchen Situationen in der die Aufregung sehr groß ist, in der man sich intensiv vorbereiten muss – weil der Literaturclub wir arbeiten dort ohne Teleprompter.

00:13:09: Das heißt, wir müssen als Moderatorinnen eigentlich den ganzen Text auswendig können alle an und absagen.

00:13:16: Also es ist so eine Mischung aus Gespräch und An- und Absagen.

00:13:19: Und genau, da hab' ich mich gut vorbereitet.

00:13:23: War aber noch unsicher ob das wirklich mein Mein Ding ist und inzwischen bin ich so glücklich und dankbar.

00:13:30: Das war

00:13:30: die Frage, war das nicht auch eine schwierige Entscheidung als Künstlerin oder Schauspielerin?

00:13:36: Als Autorin quasi... ...die Seite zu wechseln?

00:13:42: man kann es so sehen, das hat man mir früher auch gesagt du hast die Seite gewechselt quasi vom Theaterarbeiten zum Journalismus.

00:13:50: War das nicht eine schwieriger Entscheidung?

00:13:52: auch

00:13:53: Ja, gut.

00:13:54: Ich hatte das schon fünf Jahre lang gemacht, dass ich über Literatur, über Prosa gesprochen habe und ich glaube, das ist der große Punkt, dass es eben keine Theaterstücke sind.

00:14:04: Ich glaube wenn ich über Theaterstücke urteilen müsste in der Öffentlichkeit, da wäre der Abstand zu klein zu dem was ich selbst mache.

00:14:13: aber da es eben Romane sind Das kann ich hiermit versprechen, niemals prosa schreiben werde.

00:14:20: Aber trotzdem eben gelernt habe über das Theater, über das eigene Sprechen von Sprache auf der Bühne aber auch über das eigenes Schreiben sehr handwerklich, sehr mit Sprache im Raum.

00:14:33: Ich glaube da noch meine andere Note bringe als jetzt die klassischen Literaturkritiker.

00:14:39: Habe ich gemerkt dass mir das Spaß macht und was es mir so viel Spaß macht ist dass man über Literatur natürlich eigentlich immer ganz nah an den Gegenwartsthemen unserer Zeit ist.

00:14:52: Wie kann man das in Sprache übersetzen?

00:14:54: Und ich glaube, das ist so mein Hauptinteresse.

00:14:57: Also es ist auch ein bisschen Teil deiner Werkstatt, die du wiederum brauchst für deinen Schreiben?

00:15:01: Absolut!

00:15:02: Ich profitiere extrem von all den Büchern, die ich lese für meinen eigenen Schreiben.

00:15:07: Das kann ich auch nur jedem empfehlen der schreibt, viel zu lesen und nicht unbedingt aus der eigenen Disziplin.

00:15:15: Jetzt auch in New York, als ich da war bei dieser Residency hat mir eine Autorin empfohlen und meinte eigentlich müsste man bevor man schreibt eben nicht die ganzen Mails beantworten weil man dann in dieser Mail Sprache ist.

00:15:31: in dieser sachlichen Abarbeitungssprache, sondern dass man eigentlich vor dem Schreiben immer ein Gedicht lesen sollte.

00:15:38: Und das fand ich so einleuchtend weil man dadurch in eine andere formale ästhetische Sprachwelt reinkommt.

00:15:47: und ich glaube es hat ganz viel tatsächlich damit zu tun welche Adjektive liest man?

00:15:51: Ich lese im Moment gerade ganz wie Ingeborg Bachmann Wir haben hundert Jahre Ingeborg Bachmann.

00:15:55: jetzt Es ist unfassbar was die für Adjektiven benutzt und auch in ihrer Lyrik.

00:16:02: Und da profitiere ich auch sehr von.

00:16:07: Wir kommen nachher noch auf dein derzeitiges Schreiben, aber wenn wir gerade so ein bisschen einen Werkstatt Einblick haben... Ist es so, dass du vorher liest um dich auf Schreiben vorzubereiten?

00:16:20: Ich stelle mir vor als öffentliche Figur wie du sie jetzt bist.

00:16:24: Ist es gar nicht so einfach sich den Raum zu geben, um überhaupt schreiben zu können.

00:16:29: Deshalb vielleicht auch diese Residenz.

00:16:32: in den USA braucht es dann solche Räume das du dich ganz zurückziehen kannst.

00:16:36: Du hast auch noch Familie und so weiter.

00:16:38: Wo braucht es denn den ruhigen Ort?

00:16:40: oder wie ... Schaffst du dir diesen Raum?

00:16:43: Ja, das ist tatsächlich nicht einfach.

00:16:44: Ich glaube ich bin jetzt in den letzten drei Jahren so in diesem Literaturbetrieb von diesem Literaturbetriebs geschluckt worden und hatte auch den Eindruck, ich verliere mich ein bisschen selbst als Autorin.

00:17:01: aber da finde ich jetzt gerade wieder hin zurück und so eine Residency wie in den USA, dass es schon fantastisch so eine Möglichkeit zu haben weil Es wird abends für einen gekocht.

00:17:15: Ich dachte die ganze Zeit, es ist eigentlich so wie wenn man in den fünftiger Jahre als Mann leben würde.

00:17:19: Also man ist mittags fragt die Frau hast du Hunger und dann wird gekocht?

00:17:25: Und die Kinder werden einfach vom Leib gehalten und abends kommt man an den Tisch und es wird wiedergekocht!

00:17:29: Dann habe ich gemerkt was für eine unfassbare Zeit man hat.

00:17:34: Es war so produktiv wie noch nie in diesen drei Wochen, in denen ich in den USA war.

00:17:39: Hast du darüber mit deinem Mann gesprochen dass du zurück gekommen bist?

00:17:42: Ja

00:17:42: ja genau heute... Tage ist das ja alles so.

00:17:46: Also es ist ja nicht so, dass er nichts macht für die Kinder sondern, dass wir uns das tatsächlich ziemlich aufteilen.

00:17:54: und deswegen werden glaube ich Beziehungen auch nicht einfacher in unserer Generation weil die Rollenverteilung eigentlich für jeden Tag, für jede Woche neu ausgehandelt werden muss und früher war das vielleicht ein bisschen einfacher, dass die Rollens klar verteilt waren aber natürlich nicht im Sinn meistens nicht im Sinne der weiblichen Personen in der Partnerschaft.

00:18:17: Wenn wir gerade zu dir im Thema mehr anders sind, du hast mir einmal gesagt also das was du mit deiner Familie dein Mann und du mit den Kindern gemacht habt das wäre in der Schweiz gar nicht möglich gewesen.

00:18:30: kannst du das hier noch einmal erläutern?

00:18:32: Ja, das hat etwas mit der Familienpolitik von Deutschland im Unterschied zu... ...mit der Familienpolitik von der Schweiz zu tun.

00:18:41: Also ich glaube, dass Beispiel, mit dem ich das immer am besten auf den Punkt bringen kann ist... Als ich relativ frisch nach Hamburg gezogen war, kam eine Freundin völlig verweint und verheult zu mir.

00:18:54: Und ich dachte, was ist passiert?

00:18:56: Sie sagte, sie hätte schrecklich einen ganzen fürchterlichen Streit mit ihrem Mann gehabt und sie schwanger.

00:19:02: Ich dachte es ist die große Katastrophe ausgebrochen.

00:19:06: kam es aus ihr Raus und sie sagte, ihr Mann hat sich entschieden nur vier Monate Vaterschaftsurlaub zu nehmen.

00:19:15: Und dann dachte ich so was macht Sie denn jetzt bitte schön für ein Drama?

00:19:21: Aber es ist eben in Deutschland so dass der Mann das Recht hat bis zu einem Jahr Vatersschaftsurlaub zunehmen und und das ist natürlich ein Mann der sich nur für vier Monate entscheidet.

00:19:35: Das kann schon zum Konflikt führen, weil es wären mehrere Monate da.

00:19:41: Und ich muss sagen tatsächlich in meinem Freundeskreis nutzen die Männer auch machen eigentlich alle mindestens ein halbes Jahr.

00:19:50: Das ist natürlich ein Punkt, dieser ganze Elternurlaub.

00:19:53: Das führt zu anderen Diskussionen zu Hause am Küchentisch und da hält sich anders wie jetzt das, wie man sich das aufteilt.

00:20:01: Und der zweite Punkt ist dass als ich gerade mein zweites Kind bekam war Olaf Scholz Bürgermeister von Hamburg.

00:20:09: heute kennt wir ihn ja ein bisschen anders.

00:20:11: aber Olaf Scholze muss ich sagen hat es wirklich toll gemacht Der durchgesetzt hat, dass Hamburg war sozusagen das erste Bundesland in ganz Deutschland was kostenlose Kitas eingeführt hat.

00:20:25: Also fünf Stunden am Tag durfte jedes Kind von eins bis sechs kostenlos in die Kita gehen und auch ich konnte sogar zugucken wenn ich meine Kinder von der Kita abgeholt habe.

00:20:39: wir haben Anfang sehr viele Frauen da waren und fünf Jahre später viel mehr Männer weil das natürlich Dieser kostenlose Kita dazu geführt hat, dass die Frauen mehr arbeiten und so weiter.

00:20:49: Also man konnte richtig zugucken wie Politik was verändert auch in Beziehungen?

00:20:55: An dieser Stelle sind alle Politiker und auch Politikerinnen vielleicht.

00:21:00: eine gute Familienpolitik kann auch Kulturpolitik sein wenn man jetzt an deinem Beispiel abliest.

00:21:06: Jetzt möchte ich noch mal zurückkommen zu deinem Job als Moderatorin bei einem So ... exklusiven und wichtigen Gefäß für die Literatur in der Schweiz.

00:21:16: Ich stelle mir vor, dass da der Druck ja relativ groß ist weil es gibt immer weniger Gefäße in denen Literatur auf eine solche Weise besprochen wird an den Literaturen neue Bücher überhaupt sichtbar werden und ihr besprecht pro Sendung vier Bücher.

00:21:35: ihr könnt auch nicht alles machen.

00:21:37: ist da der druck nicht immens Vorschreiben, aber vielleicht auch von Verlagen.

00:21:42: Dass man sagt Man will da unbedingt rein weil das die Verkaufszahlen fährt.

00:21:48: Ich nehme uns nicht aus Von unserer Edition ausschicke ich dir auch immer wieder im

00:21:52: Buch Ja der Druck ist groß Der Druck ist da.

00:21:55: also ich würde sagen ich bekomme fast jeden Also ich würde sagen fast jeden Tag oder alle zwei Tage ein Buch zugeschickt, also die Bücher stapeln und stapeln sich bei mir.

00:22:09: Ich kriege täglich sehr viele Mails auch von AutorInnen, die mich anschreiben Und ich habe aber Verständnis dafür, weil ich oder auch für den Druck, den die Einzelnen machen.

00:22:27: Oder vielleicht manchmal auch für die Verzweiflung oder die Wichtigkeit dass die Bücher eben am Fernsehen oder im Radio erscheinen, weil Ich selbst Autorin bin und ich weiß wie existenziell schreiben ist.

00:22:40: also das ist für mich absolut nachvollziehbar, dass wenn man ein Werk macht und ein Werk beendet.

00:22:48: Und das in diesem Werk die ganze Seele drin steckt... Ich kenne all die Momente der Verzweiflung!

00:22:59: Man liegt gekrümmt im Bett und kann nicht mehr, weil man es sprachlich nicht hinkriegt oder weil man denkt, man hätte sein sprachliches Talent verloren.

00:23:06: Und dann kriegt man's wieder hin.

00:23:08: und dann also all die Kämpfe... Das mag jetzt alles so ein bisschen nach persönlichen Luxuskämpfen klingen aber das ist wirklich existenziell.

00:23:22: Gleichzeitig kommen aber ungefähr zehntausend Neuromane nur Deutschsprachige jedes Jahr auf den Markt.

00:23:31: Und das ist noch klein gerechnet, da habe ich schon sehr viel abgerechnet.

00:23:34: und all die abgerechnet, die in Eigenverlagen kommen.

00:23:40: Wir können auch nochmal sehr viel Abziehen was für Literaturklub weniger infrage kommt obwohl wir da auch uns sehr öffnen, wir wollen sehr breit diskutieren, also wir öffnen uns auch für all die Bücher, die jetzt eben neu erscheinen.

00:23:54: Für jugendliche New-Adult und diese ganzen Fantasy-Geschichten machen wir ganz selten aber eben manchmal weil das eben so viel gelesen wird besprechen wir auch dass es heißt ist einfach völlig verrückt was ich habe den Eindruckes kommen jedes Jahr mehr Bücher auf dem Markt sind aber werden leider auch weniger Leser innen.

00:24:15: Wobei ist im Literaturclub, muss ich sagen sehr gut geht.

00:24:18: Wir sind sehr erstaunt oder nicht erstaunt.

00:24:21: wir arbeiten jeden Tag sehr daran und wir haben diese Sendung auch sozusagen neu aufgewickelt und können da auf einen schönen Erfolg blicken.

00:24:32: Es gibt immer mehr und mehr Menschen die den Literaturklub schauen Und das stimmt mich so zuversichtlich dass es eben Ach, dass all diese Grabreden, die keiner liest mehr und ... Und die Branche geht den Bach ab.

00:24:48: Das wird da ganz gut gekriegt werden können.

00:24:50: Dass

00:24:50: das vielleicht gar nicht stimmt!

00:24:51: Aber es tönt jetzt wenn du das so beschreibst mit einer Herkulesaufgabe.

00:24:55: Da überhaupt eine Auswahl zu treffen.

00:24:58: Zum Glück musst du sie nicht alleine treffen?

00:25:00: Genau.

00:25:00: Also deine Gäste bringen ja Bücher mit und trotzdem ist dann nämlich an im Hintergrund irgendwie eine Dramaturgie tätigt.

00:25:10: dasselbe Buch mitbringen oder vielleicht nicht alle das selbe Genom mitbringen und so.

00:25:14: Was sind, gibt es einen Kriterienkatalog wie ihr das macht?

00:25:19: Oder hängt das wirklich von der Meinung, die ist von dir, von euch Moderatorinnen?

00:25:28: Ja,

00:25:28: ich kann das eigentlich ganz genau beschreiben.

00:25:30: Also für uns ist es sehr wichtig dass diejenigen, die ihr Buch mitnehmen richtig hinter dem Buch stehen und dieses Buch verteidigen wollen und leidenschaftlich sind für das Buch oder für die Literatur oder für den Autor oder... Das heißt Jennifer Cacchuri und ich, wir wechseln uns ja ab mit der Moderation Wir holen erstmal die Vorschläge der Runde ein und wir sagen auch gerne erst mal zwei Vorschlage, nicht nur eins damit wir eben bisschen dann gucken können was ist eine gute Mischung.

00:26:03: Und wenn wir die Vorsorge haben, dann arbeiten wir an der Mischungen und dann ist es so dass die Moderatorin in dem Fall dann ich ergänzend zu den Vorschlagen guckt.

00:26:14: Also das

00:26:14: Buch, das du vorschlägst?

00:26:16: Das siehst du als Ergänzung.

00:26:21: Und natürlich müssen wir in der Mischung schauen, dass wir nicht nur hoch literarisch komplexe Stoffe haben sondern vielleicht auch einen Stoff wo der Name sehr bekannt ist oder... Wir nennen das dann ein A-Titel.

00:26:37: Nicht ein Titel wo die Leute sofort den Autor oder die Autorin kennen oder vielleicht mit dem Thema wahnsinnig viel anfangen können.

00:26:48: Zum Beispiel in meiner letzten Sendung haben wir mit Duelbag angefangen.

00:26:51: Das ist einfach jemand, der schon viel gelesen wurde wo viele resonieren können oder den ganz schrecklich finden und dann erst recht wissen wollen was hat er denn als Neuestes gemacht?

00:27:03: Aber wenn zum Beispiel sehr viele populäre Vorschläge kommen da müssen wir eben eher gucken dass

00:27:11: Das austariert.

00:27:12: Genau,

00:27:13: wir sind auch sehr gewillt eben Neuentdeckungen, Debuts und natürlich Schweizer Literatur.

00:27:20: Es gibt eigentlich kein Literaturklub ohne ein Schweizer Buch.

00:27:22: das ist uns auch wichtig.

00:27:25: Und deine Auswahl was liest du eigentlich am liebsten oder?

00:27:30: Was ist dann dein Kriterium was ein gutes Buch ist damit du es in die Sendung mitnimmst?

00:27:37: Ja, ich glaube das ist so ein bisschen.

00:27:38: bei mir fängt jetzt auch schon diese Diffusion professionell an.

00:27:42: Das heißt nicht wie je mehr Schokolade man isst desto... Oder so geht es mir auf jeden Fall, dass du dünklere Schokolade möchte man nicht.

00:27:52: Also ich habe früher nur Milchschokolade gegessen und jetzt hab' ich am liebsten mit hundert Prozent Kakao.

00:27:57: oder wenn man trinkt was nicht als Trinker geht man dann irgendwann auch zum Schnaps.

00:28:01: und ich glaube das ist mir jetzt mit der Literatur jetzt auch so passiert, dass ich... Wenn ich jetzt persönlich privat ein Stoff auswähle, dass sprachlich hochgestaltetes Buch zu wählen.

00:28:20: Das ist das, was mich am meisten gerade interessiert da sehr formal auch reinzugucken.

00:28:26: Es ist aber nicht unbedingt dass, was jetzt die Zuschauerinnen am allermeisten interessiert und für mich braucht ein oder ein Buch.

00:28:38: ich bin ja eben auch in vielen Juries und muss da natürlich entscheiden was es ein gutes Buch hat eigentlich für mich die Möglichkeit, dass es zeitlos ist.

00:28:50: Also das ich das Buch auch in zwanzig Jahren in die Hand nehmen könnte und das immer noch funktionieren könnte und trotzdem etwas zeitgenössisches hat, trotzdem etwas von unserer Zeit erzählt.

00:28:57: Ich bin wahnsinnig interessiert an der Gegenwart.

00:29:03: Es muss eine sehr eigene Sprachgestaltung haben.

00:29:08: Am liebsten sehe ich oder lese ich eine Sprache, die ich woanders nicht lese Und ich bin auch, das kommt sicher vom Theater ein Dramaturgiefan.

00:29:20: Das heißt, ich liebe es wenn es außergewöhnliche oder sehr clevere Erzählweisen gibt.

00:29:27: Also nicht den normalen Heldenreise?

00:29:29: Genau!

00:29:29: Nicht

00:29:30: die normale

00:29:31: Helden-Reise.

00:29:33: Genau und vielleicht was Persönliches ist... Ich bin immer dankbar um eine Form von Witz.

00:29:42: Humor gehört dazu.

00:29:46: Du hast vorhin gesagt, du bist über diesen Job ein bisschen aufgesogen.

00:29:51: Das glaubt man dir jetzt auch wenn du ja erzählst was das alles beinhaltet?

00:29:55: Du hast auch gesagt dass wie er dich wahrscheinlich auch vom eigenen Schreiben abgehalten hat in den letzten Jahren, wie sich diese Literaturwelt aufgeszogen hat und da gehört eben auch Wenn man in dieser Position ist, plötzlich angefragt wird in Jürgis.

00:30:14: Ich glaube du bist in der Jürgi das Neue des Bachmannpreises und du bist aber auch an der Jurgi des deutschen Buchpreises letztes Jahr gewesen.

00:30:22: Und da bekommt man doch plötzlich so eine auch von außen gesehen oder wahrscheinlich empfinden dass die meisten Menschen so ein bisschen eine mächtige Position.

00:30:34: Wie gehst Du damit um?

00:30:35: Und wie gehen Deine Kolleginnen damit um?

00:30:37: ?

00:30:37: Das Laura jetzt plötzlich die Autorin Laura jetzt plötzlich in dieser Position ist?

00:30:43: Ja, alle sind furchtbar nett.

00:30:46: Und dann sind sie wahrscheinlich nicht mehr nett sobald ich die Position nicht mehr habe.

00:30:50: Nein das ist ja ... Man ist tatsächlich in einer Position in der viele Menschen von einem was wollen.

00:31:00: Und ich versuche einfach so verantwortungsbewusst wie möglich damit umzugeben.

00:31:05: Also, ich glaube manchmal ein bisschen zu verantwortungspbewusst.

00:31:09: Wir mussten für den deutschen Buchpreis zweihundertfünfzig Titel prüfen und die Titel werden dann unter sieben Juroer innen aufgeteilt.

00:31:18: Das heißt du musst aber fünf dreißig Bücher lesen?

00:31:23: Nein, nein eben nicht genau.

00:31:25: also es wird aufgeteilt, aber wenn jemand was gut findest dann geht das in die Runde und müssen es auch alle lesen.

00:31:33: Genau!

00:31:34: Und man ist aber verantwortlich für alle Bücher im Jahr.

00:31:38: Das heißt die Verlage machen das natürlich auch sehr geschickt dass sie vielleicht nicht die ganz bekannten Bücher reintun weil Sie wissen die Jury ist eigentlich auch verantwortliche die Bekanntenbücher zu lesen.

00:31:47: Und ich habe das so ernst genommen, weil ich dachte man darf kein Buch vergessen.

00:31:52: und was ist wenn ich ein Buch vergesse?

00:31:54: Wenn irgendwas ungesehen bleibt oder wenn es nicht gut genug geprüft habe.

00:31:59: Ich habe glaube ich so viel gelesen dass meine Familie kurz davor war zu sagen jetzt reicht's.

00:32:10: aber ich glaube das war das intensivste Jahr letztes Jahr Titel geprüft.

00:32:17: Bin aber auch so dankbar, weil das wie ein kleines Studium war und ich habe eben nicht Germanistik studiert, ich habe nicht Philosophie studiert.

00:32:25: Ich habe keine Geisteswissenschaft studiert sondern ich habe Schauspiel studiert!

00:32:29: Ich hab das sprachliche Handwerk studiert und deswegen fehlen mir manchmal oder da... Das ist manchmal wie so ein kleiner Komplex von mir in dieser Literaturbranche dass ich denke, ah mir fehlen so kleine Studiengänge und ich versuche diese Studiengange mir jetzt nebenher eben anzueignen.

00:32:50: Dass ich die deutsche Gegenwartsliteratur von oben bis unten studiere oder einzelne Autorinnen wie Ingebrock Bachmann oder so.

00:32:58: Also deine Tätigkeit als Moderatorin und als Schürgi-Mitglied auch als verspätetes Literaturstudium?

00:33:05: Genau, total!

00:33:07: So kann man es sehen.

00:33:10: Und irgendwie bist du aber über diese Tätigkeit auch in ein Gebiet gerutscht.

00:33:14: Ich glaube, das darf man schon so sagen im deutschsprachigen Raum, dass dein Vater sehr geprägt hat.

00:33:21: Er hat vor zwei Jahren dieses Buch herausgegeben mit dem schönen Titel Das Prinzip Trotzthemen Warum wir den Journalismus von den Medien retten müssen Und er beschreibt darin eine sehr eloquent und präzise, warum der Journalismus in den letzten zwanzig Jahren einen starken Niedergang erlebt hat.

00:33:43: Warum der Journalismus in die großen Medienhäuser in einer Krise sind?

00:33:53: eine Bresche oder er plädiert auch dafür, dass die Journalisten wieder bei der Sache bleiben sollen.

00:34:01: Und wirklich bei dem was journalistisches Handwerk ausmacht ist Moderatorin sein und in diesem Gefäß eigentlich auch LiteraturkritikerInnen aber auch LiteraturfermittlerInnen ist eben ein journalistischer Job.

00:34:19: Wie und du hast früher ja auch schon mit Medienhäusern zu tun gehabt, eben mit deiner Kolumne beim Tagesanzeiger.

00:34:26: Und du hast eben auch sicher von deinem Vater viel aus dieser Welt mitbekommen?

00:34:32: Wie beurteilst Du in diesem Sinne den Zustand und die Diskussion... Ich würde das hier einmal einschränken um den Kulturjournalismus im deutschsprachigen Raum.

00:34:44: vielleicht kann man die Schweiz mit Deutschland noch vergleichen oder so.

00:34:47: Ja dem geht sehr schlecht Das ist Fakt und das ist sehr traurig.

00:34:53: Und man kann es eigentlich in jedem Medium, egal ob Radio, Fernsehen, Filthons beobachten.

00:35:01: Der Platz wird überall kleiner.

00:35:03: Das erhöht eben wiederum den Druck auf die autorenen Plätze zu finden.

00:35:09: Es wurden mehrere Literatur-Sendungen, die so ein ähnliches Format haben wie der Literaturklub, eingestampft.

00:35:17: Auch gerade gab es ganz schlechte Nachrichten von Deutschlandfunk in Deutschland.

00:35:22: In der Schweiz dokumentiert sehr gut das Magazin Republik, wie immer mehr Journalisten den Job aufhören.

00:35:30: Heute im Newsletterdringes waren in den letzten zehn Jahren etwas zwischen acht und neun Hundert Journalisten ... ... Boot, dass die das Medienboot verlassen haben oder verlassen mussten.

00:35:45: Ja.

00:35:47: Ne?

00:35:47: Es sind wirklich keine rosigen Zeiten für den Kulturjournalismus und es hat ganz viel mit den Klicks zu tun weil jetzt plötzlich Journalismus eben bewertbar wird.

00:35:58: man sieht wieviel wird eine Rezension angeklickt und sie wird meistens natürlich nicht so viel angeklückt wie... Die Nachricht über den neuesten Spruch von Trump oder was auch immer.

00:36:09: Das ist

00:36:09: so.

00:36:09: ja ich habe dieses.

00:36:10: Ich hab noch vor bis zum Jahr zwanzig bei der BC Basel gearbeitet.

00:36:17: Das gehört zum Konzern von CER Media, der Aargauer Zeitung und da hat es gerade angefangen dass es ein morgendliches Ranking gab eine Artikel-Ranking.

00:36:27: welche zehn Artikel wurden am meisten gelesen oder welche haben einen Abokauf ausgelösten so?

00:36:34: Und die Kulturartikel waren praktisch nie dabei, außer es gäbe irgendeinen Skandal um Gölä oder so.

00:36:41: Wenn man denn das zum Kulturjournalismus rechnen möchte?

00:36:44: Nur so ein Klammer dass das wirklich

00:36:46: so ist.

00:36:46: Das war in den letzten Jahren als ich meine Tagikolumne schrieb auch noch so, dass man dann eine Goldmedaille oder eine Silbermedaillie oder eine Bronze medaille bekommen hat jeden tag für den Artikel der am meisten geklickt wurde.

00:36:57: also man hat natürlich damit auch die JournalistInnen angefacht reiserische artikel zu schreiben mit reiserischen Titeln und so weiter.

00:37:07: Und ja, auch der damalige Chefredakteur der NCZ sagte mir also wenn wir auf die Klickzahlen kommen gucken dann ist Kulturjournalismus von uns sozusagen ein großzügiges Geschenk an die Kultur.

00:37:23: damit verdienen wir kein Cent.

00:37:27: das mag alles sein

00:37:29: Die Bahnen

00:37:31: auf

00:37:31: einigermaßen hoch sind im Vergleich zu Tamedia, zu X. Ja

00:37:38: interessanterweise sind es die konservativen Zeitungen das ist in Deutschland auch die FAZ die am allermeisten Rezensionen publiziert immer noch Ja, und es gibt eine große Debatte im Moment auch über Literaturkritik.

00:37:52: Wie kann man Literaturkritik wiederbeleben?

00:37:56: Wann lesen denn Menschen überhaupt ein Literaturartikel?

00:37:58: Es gibt jetzt viele die behaupten wir brauchen mehr Farrisse Wir brauchen mehr radikale Artikel.

00:38:05: Das wird jetzt gerade so besprochen.

00:38:08: Ich glaube das was mich in der Literatur Kritik am meisten interessiert ist ist glaube ich so das Dialogische Da

00:38:17: kommen wir noch drauf.

00:38:19: Ja?

00:38:21: Oder so wie man das damals irgendwie mit Thomas Mann und Alfred Kehr, die sich nicht.

00:38:27: Thomas Mann hat ein Stück geschrieben.

00:38:29: Das wurde komplett verrissen.

00:38:30: dann hat Alfred Keher eben einen kompletten Verriss geschrieben.

00:38:34: Dann hat Thomas Mann öffentlich geantwortet, dann hat er wieder ein Artikel geschrieben.

00:38:39: also es gab eine öffentliche Auseinandersetzung über die Literatur und die Sprache und manchmal denke ich, dass würde mich gerne lesen.

00:38:47: Genau, ich glaube das würden auch einige Leute gerne lesen.

00:38:50: Aber wir bewegen uns immer weiter weg genau von dem dass überhaupt ein Diskurs oder einen Diskurs über solche Themen stattfindet oder irgendeine Art von Korrespondenz wie du es jetzt gerade beschrieben hast zwischen Journalistinnen und Kunstschaffenden?

00:39:10: Siehst du irgendwelche Auswege?

00:39:12: Man spricht im Moment die Journalismusförderung, wie ist jetzt in der Schweiz wenigstens in Abstimmung nie richtig durchgekommen.

00:39:24: Es gibt jetzt aber sogar solche wirklichen Medienunternehmer, die stolz sind dass sie private Medienunternehmere ihr ganzes Leben lang waren, wir Roger Schawinski, der jetzt gerade vor zehn Tagen in der NCZ dafür plädiert hat.

00:39:39: Es braucht öffentliche Förderung, es braucht und zwar nicht nur vom Bund weil der Pent sondern auch von den Kantonen und von den Stiftungen.

00:39:48: Siehst du das als Weg in die Zukunft?

00:39:51: oder was müsste passieren?

00:39:54: Ich habe sicher keinen Lösungsweg, den ich jetzt einfach so anbieten kann.

00:40:00: Aber ich bin überzeugt davon, dass staatliche Förderung unbedingt ein Teil der Lösung sein muss.

00:40:05: Es gab ja auch in Basel schon Abstimmung darüber.

00:40:10: Es gibt immer wieder Vorstöße dahin und ich bin überzeugt also das eigentlich muss Journalismus genauso wie Kultur subventioniert werden weil ich habe zehn Jahre lang als Stiftungsrätin gearbeitet, das heißt die Stiftung für Medienvielfalt.

00:40:31: Wir hatten auch nicht wahnsinnig viel Geld und konnten jetzt nicht unfassbar viele Medienprojekte unterstützen aber doch einige.

00:40:40: Wir haben uns insbesondere auf Lokalmedien spezialisiert und auch auf Online-Medien Und es ist wirklich hart und frustrierend zu sehen, egal welche Leidenschaft da reingesteckt wird.

00:40:53: Welche Arbeit und entlöhnte Arbeit und noch Stiftungsgeldern.

00:40:59: Trotzdem ist es wahnsinnig schwer so etwas kriegen zu lassen.

00:41:00: Du sprichst jetzt auch vielleicht das konkretes Projekt BASCHUER an?

00:41:04: Zum Beispiel!

00:41:06: Dass diese Stiftung eigentlich voll ganz finanziert kommt dann immer wieder in so einen drei oder vier Jahres runter rein.

00:41:14: Ich kenne das gut, weil das Frieder-Magazin auch mit solchen Magazinen kooperiert.

00:41:19: Ich habe mit Helena Krauser die früher bei uns gearbeitet jetzt da und wir machen zusammen unseren Podcast Frida Tift und dadurch kenne ich das ein bisschen.

00:41:27: ja was sich aber da schon auch... Also was ganz toll ist um was eben zu verschwinden droht ganz viele junge Leute, also doch einige junge Leute journalistisches und vielleicht auch kulturjournalistisches Handwerk lernen können.

00:41:47: Meine Angst ist ein bisschen die dass wenn diese Stellen wirklich immer immer weniger werden dann verschwindet irgendwann auch das Handwerk weil niemand macht mehr das.

00:41:59: Das ist das eine und das andere.

00:42:00: was man aber merkt bei solchen Projekten Eigentlich die Gegenseite der öffentlichen Förderung ist auch, dass die Zahlbereitschaft der Menschen... Ganz

00:42:10: genau.

00:42:11: Also

00:42:11: ich glaube Baschur lebt wie unser Magazin eigentlich von Spenden oder Gönnerschaften oder wie immer man das wörtlich fremd und es ist wahnsinnig hart da irgendwie auf einen grünen Zweig zu kommen, auch Stadtmagazine wie Zürich.ch oder die Hauptstadt arbeiten schon lange daran das irgendwie zu ändern.

00:42:35: Wie bringt man dann?

00:42:36: Man kann das so lesen und sagen die Leute interessiert es nicht Das ist der Markt Die kaufen nicht Dann interessiert sie nicht.

00:42:42: Muss man das eigentlich auch nicht machen?

00:42:46: Der rechte Politiker würde sagen, nein dann hat der Markt das reguliert und funktioniert es nicht.

00:42:52: Es ist kein Bedürfnis da wenn das niemand kauft braucht das auch niemand weil Brot kaufen alle das brauchen alle.

00:42:58: Wenn jemand Journalismus Kulturjournalismus kauft brauchts den nicht.

00:43:03: Ja, da sind wir wieder bei den klassischen Diskussionen eben.

00:43:08: Ich glaube, wenn wir uns entscheiden eine Demokratie zu sein und dann auch noch eine direkte Demokratie ist das eben auch wiederum existenziell für den Bestand einer solchen Demokratie.

00:43:21: Aufgabe des Staates, die Wichtigkeit und diesen Pfeiler nämlich die vierte Gewalt in einer Demokratie auch mitzufinanzieren.

00:43:31: Und das ist das was wir nicht aufhören zu wiederholen wenn wir über Kultur sprechen oder die Wichtigkeit von Kultur und ich würde da eben den Journalismus direkt mitteiligen und ich glaube dass es etwas was ganz viele immer und immer wieder vergessen Die Existenzialität der Kultur, da kann man sich vielleicht erst mal nichts darunter vorstellen und man denkt auch so das wird jetzt alles in so schönen Wörtern verpackt damit man die Kultur gut verkaufen kann.

00:44:02: Aber wenn wir wirklich konkret in unseren Alltag schauen.

00:44:05: wann konsumieren wir Kultur?

00:44:08: Wir tun das ganz oft in den Momenten, in denen es uns besonders gut oder besonders schlecht geht.

00:44:14: Das heißt wenn wir verliebt sind dann hören wir Musik und wollen tanzen gehen.

00:44:21: Wenn es uns schlecht geht, wenn jemand stirbt.

00:44:23: Dann suchen wir nach Sätzen in der Todesanzeige ein Satz aus der Literatur oder aus der Religion mit Sprache arbeiten indem wir diesen Tod verarbeiten können.

00:44:41: Also in jeder Situation, die uns wirklich nahegeht, suchen wir den Weg zur Kultur.

00:44:48: Weil wir wissen dass die Kultur uns etwas spiegelt was unser Lebensgefühl sein könnte oder etwas ausdrückt was wir gerade nicht in der Lage sind auszudrücken weil die Emotionen zu groß sind.

00:45:00: es ist unglaublich wie.

00:45:03: Ich musste so lachen, ich finde das eigentlich ein super Beispiel bei Trump der sich so geärgert hat über diese Bad Bunny Show.

00:45:11: Bei den Super Bowls, bei der Halftime-Show.

00:45:13: Ich weiß nicht ob sie die gesehen haben, viele haben die gesehen.

00:45:16: Und Trump sagt es ist ja schrecklich und solche Künstler darf man gar nicht mehr fördern.

00:45:20: und furchtbare Musik.

00:45:22: und weil er nur auf Spanisch gesungen hatte und nicht auf Amerikanisch... Und dann hat drei Tage später seine Frau Melania einen Post auf Instagram gemacht und hat diesen Post, diese Bilder auf Instagram unterlegt mit der Musik von Bad Bunny.

00:45:36: Wusste aber nicht dass es Bad Bunny ist!

00:45:38: Natürlich hat die ganze... Insta-Welt, die ganze Welt hat Melania ausgelacht.

00:45:44: Aber was hat Melanie eigentlich gemacht?

00:45:47: Sie hat nach einem Gefühl gesucht für das, was sie mit diesem Bild ausdrucken wollte.

00:45:51: Wo hat sie dieses Gefühl gefunden?

00:45:53: in der Musik?

00:45:54: Die Musik von Bad Bunny hat das ausgedrückt nämlich wir gehen nach vorne Wir sind mutig, wir wollen tanzen und wir wollen ein frisches Leben.

00:46:05: Und dass wir suchen ständig nach all diesen Dingen die ein Gefühl unterstützen, in dem wir leben und dass wir nicht so wie die Konservativen wollen uns da nur auf Volksmusik.

00:46:21: Ich liebe Volks Musik!

00:46:22: Ich liebe auch Schweizer Volksmusika sind so wunderschöne Lieder.

00:46:26: aber das kann nicht das abdecken was ich brauche um mich zu formulieren und ich glaube alle alle alle brauchen das.

00:46:37: also Du hast es Volksmusik genannt, du hast auch ein Beispiel aus der Pop-Musik genannt.

00:46:42: Also ein Beispiel von Musik die in dem Sinne nicht staatlich subventioniert ist oder so.

00:46:52: Die Anders entstanden ist.

00:46:53: aber ich verstehe das schon richtig.

00:46:55: Das ist ein Plädoyer dafür dass eben Kunst und Kultur, ein Grund-Nahrungsmittel sind wie alle anderen.

00:47:02: Also die Schweiz ist ja auch darum bemüht quasi die Nahrungsmittelsicherheit irgendwie zu gewährleisten.

00:47:09: und

00:47:11: dass du es eigentlich im selben siehst.

00:47:13: Du warst mit deinen Kolumnen ... Deine Kolumnen waren eben dialogisch geschrieben im Tagesamtzeige?

00:47:21: Und die waren, glaube ich für viele Menschen auch immer so ein erfrischender Blick von außen auf die Schweiz und eben auch auf die Politik.

00:47:29: Weil du denkst eben solche kulturellen Themen eigentlich immer mit Politik zusammen sowie jetzt eben... gemacht hast.

00:47:43: Wenn du jetzt nächsten Sonntag wird in der Schweiz über die zehn Millionen-Initiative abgestimmt und wahrscheinlich, ich glaube in einem halben Jahr oder bald kommt die noch wichtiger Abstimmung über die bilateralen drei wenn du das jetzt von außen von Hamburg her anschaust was da nächsten sonntag passiert wie siehst du dass?

00:48:03: der Spiegel hat ja ein Titelbild jetzt gemacht mit einer Ohne mit einem Schweizerkreuz drauf.

00:48:10: wer wirft eine Hand einen Zettel rein, da steht drauf Deutsche raus.

00:48:18: Ist das der Blick den Deutschland auf diese Abstimmung in der Schweiz hat oder ist es einfach Spiegelpolemik?

00:48:27: Nein, die Deutschen sind ja die größte Ausländergruppe in der Schweiz und Die Deutschen fühlen sich tatsächlich, also ich rede sehr viel mit Deutschen darüber.

00:48:41: Auch weil man manchmal wenn ich mit ihnen spreche nicht hört das ich Schweizerin bin.

00:48:45: Sie empfinden dass sie nicht unbedingt willkommen geheißen werden und das höre Ich von allen möglichen also sowohl von deutschen die am Theater arbeiten wie aber auch von deutschen Ärzten die hier arbeiten dass sie sagen Also, sie werden hier wirklich nicht umarmt.

00:49:08: Ging es dir als Höcherin in Hamburg anders?

00:49:12: Es ist schwierig zu sagen eben weil man nicht unbedingt hört und man sieht's mir nicht an, man hört's mich nicht an.

00:49:17: deswegen ich glaube das macht einen riesen Unterschied wie man angeguckt wird.

00:49:24: Ich hatte mal in einer Kolumne eben so als Witz geschrieben, die Deutschen sind ... die Türken in Deutschland sozusagen.

00:49:31: Aber genau glaube ich mit den Ressentiments und diesen Vorurteilen ja, die sind so laut!

00:49:36: Die nehmen so viel Platz ein.

00:49:39: Die sind irgendwie zu selbstbewusst.

00:49:41: Also diese ganzen Vorurteilungen.

00:49:45: Aber es ist trotzdem nicht zu vergleichen mit Rassismen, die Menschen erleben, die andere Hautfarbe haben oder Sprache gar nicht sprechen können oder so.

00:49:56: Ich glaube, das ist nicht zu vergleichen aber das spüren sie natürlich schon selbst im Urbahnraum würde ich sagen.

00:50:05: und die Abstimmung ist in dem Sinne eben schon eine wiederkehrende Abstimmung in der die Schweizer Stimmbürgerinnen entscheiden können will man sich von Europa Abgrenzen will man Schutzmechanismen gegenüber Europa aufbauen oder nicht.

00:50:26: Du lebst jetzt seit zwanzig Jahren in Europa, was rätst du den Schweiz an?

00:50:35: Also... Ich darf nicht über Abstimmungen öffentlich sprechen.

00:50:39: Das erlaubt mir das Schweizer Fernsehen nicht, aber ich glaube es ist wahrscheinlich nicht schwer zu erraten was ich am Sonntag abstimmen werde.

00:50:47: Ich glaube du hast es schon gesagt ja stimmt oder?

00:50:51: Oder ich weiß gar nicht genau.

00:50:53: also die alle ModeratorInnen vom Schweizerfernsehen dürfen sich politisch nicht äußern.

00:50:57: Entschuldigung

00:50:58: du hast mir das gesagt.

00:50:59: Aber nee alles gut!

00:51:00: Es ist ja wie gesagt.

00:51:01: also ich glaube man hört es aus allem aus allem einem Sprechen heraus.

00:51:07: Aber das finde ich auch in Ordnung, also dass es nun mal so ist, dass der Schweizer Fernseher neutral bleiben soll...

00:51:13: Also keine Wahlempfehlung von Laura Delet.

00:51:15: Keine Wahlempfehlungen!

00:51:16: Das sprechen wir über etwas anderes.

00:51:17: Deine nahezukunft.

00:51:20: Ja?

00:51:21: Und zwar wieder weg vom Politik und weg vom Kulturjournalismus, obwohl du den auch sehr zu Kultur rechnest.

00:51:27: Dafür danke ich dir als Kulturschournalist.

00:51:30: Aber ich möchte eigentlich auf deine Kunst zu sprechen kommen und auf deinen Schreiben noch einmal zum Abschluss.

00:51:35: Irgendwann hast du einmal gesagt, du machst beim Schreiben immer dasselbe.

00:51:40: Du hast es vorhin erwähnt.

00:51:42: Du schreibst immer Dialoge.

00:51:44: Und das kommt ... Das machst du weil du Schauspielerin bist oder wie hat sich das?

00:51:50: Das braucht ja noch was, dass das eigentlich immer im Schreiben sogar im Kolumnen schreiben.

00:51:54: Die waren ja auch dialogisch, dass es eigentlich immer drin bleibt.

00:51:57: also du brauchst das Gespräch

00:52:01: als Form.

00:52:01: Ja, das ist mein Material der Dialog ist mein material und an dem hemmere ich und forme ich bis ich bis es stimmt und also genau das was ich vorher versucht habe zu erzählen.

00:52:15: was ist Kunst?

00:52:17: formuliert immer was und ich kann das am allerbesten mit dem Dialog.

00:52:22: Also im Vorbereiten hast du mir erzählt, du möchtest auch nicht zu stark darüber sprechen, das kann ich gut verstehen dass Künstlerinnen nicht über noch nicht ganz ganz geborene Werke sprechen wollen weil Wenn

00:52:38: man ist, dann glaube ich aber... Auf Gehemd

00:52:39: oder es gibt eine Art Aberglaube auch.

00:52:42: Das ist wie wenn man gratuliert nicht zum Geburtstag.

00:52:45: Ja genau, genau.

00:52:46: Aber man darf doch sagen dass du an einer weiteren Fernsehserie schreibst?

00:52:54: Genau, ne!

00:52:54: Ich kann thematisch schon sagen.

00:52:57: Stück abgeschlossen, das liegt jetzt beim Verlag.

00:52:59: Das ließt meine Lektorin, da bin ich sehr gespannt.

00:53:03: Also ein Theaterstück?

00:53:04: Ein Theaterstuck genau und es geht um die Europäische Union, um vielleicht über diesen Umweg die letzte Frage zu beantworten...

00:53:12: Wenn's rauskommt glaube ich bei Surgkamp raus hast du gesagt?

00:53:15: Nee bei Roewold.

00:53:15: Genau wenn mit dem Theaterstücken dich bei Roowold.

00:53:17: Und wenn's

00:53:18: raus kommt lesen sie das Stück dann erhalten Sie die Antwort

00:53:21: in

00:53:21: Beantworterungslage.

00:53:26: Und das Zweite ist, dass ich wieder an einer TV-Serie arbeite.

00:53:30: Das ist eigentlich, kann man grob gesagt sagen, das Stück von Arthur Schnitzler der Reigen wenn Sie das kennen?

00:53:39: Das ist ja immer so, dass zwei miteinander schlafen und dann geht eine Person weiter und schläft mit den nächsten Personen und so.

00:53:44: So entsteht ein Reigen, eigentlich ein Tanz, ein sexueller Tanz ... ...durch die ganze Gesellschaftsschicht.

00:53:55: Und das übertrage ich ins... ...zweitausendsechsundzwanzig und genau...

00:54:01: Von Österreich, von Wien in die Schweiz?

00:54:04: Das war ursprünglich tatsächlich eine Idee, dass wir sozusagen die Paare dann immer in einem anderen Land sich treffen lassen.

00:54:11: Aber das wird jetzt alles ein bisschen zu kompliziert und deswegen...

00:54:13: Ist da eine Schweizer Produktion?

00:54:14: Nein!

00:54:14: Das wäre dann eine deutsche Produktion.

00:54:16: aber genau das ist.

00:54:19: wie gesagt bei Filmstoffen bin ich doppelt aber gläubisch weil Es ist deutlich schwerer, die Finanzierung hinzukriegen.

00:54:29: Ich weiß nicht wie viele DrehbuchautorInnen ich schon getroffen habe, die ein halbes Jahr, obwohl alles in trockenen Tüchern war, der ganze Dreh abgesagt wurde?

00:54:38: Die Filmwelt ist noch schlimmer ... Da kann wirklich im letzten Moment immer alles zusammenbrechen, deswegen weiß man es nie.

00:54:46: Aber ich habe unfassbar viel Spaß am Stoff!

00:54:50: Okay und wieder am Schreiben... Und jetzt wenn ich sie richtig gezählt habe, das war dann letztes Theaterstück?

00:54:56: Ist da schon so lange her?

00:54:57: Ja, das letzte klassische genau.

00:54:59: Und dann hab' ich ein paar Performances dazwischen gemacht, genau.

00:55:02: Genau, so Lecture-Performances.

00:55:07: Wieso diese lange Pause?

00:55:08: hat es das gebraucht?

00:55:09: Hat das mit der Familie zu tun oder braucht's manchmal einfach ein Literaturstudium zwischendurch, wie du es jetzt machst.

00:55:18: Nein die Pause hat einerseits mit der familie sicher auch zu tun andererseits auch weil ich... Weil das war die zeit in der netflix aufkam und plötzlich sich viele getraut haben, andere Dramatogen bei Serien zu machen.

00:55:33: Also plötzlich gab es große Experimente was das Filmschaffen betrifft und ich könnte nie eine klassische Serie schreiben also dieses klassische Krimi-Drama Gewalt Das kann nicht.

00:55:50: Das einzige was ich kann ist sozusagen dieses kleine feine Kamerspiel sehr Figuren basiert, sehr Dialog basiert.

00:55:58: Und dann dachte ich, aha!

00:55:59: Jetzt finden plötzlich die interessanten Dramaturgien im Fernsehen statt und gar nicht mehr am Theater.

00:56:05: Weil das Theater sich so zurückgezogen hat und immer mehr angefangen hat Klassiker zu spielen und so... Und deswegen war der Wunsch dann Richtung Film zu gehen.

00:56:15: Dann hatte ich auch das Glück, diese Serie zu schreiben.

00:56:18: Emma lügt!

00:56:20: Ich konnte so gerade noch in dieses letzte Fenster reinspringen wo es diese Offenheit und Experimentierfreudigkeit gab... ...und jetzt beobachten wir leider-leider was auch wiederum mit der Zählbarkeit der Klickzahlen zu tun hat dass dieses Fenster wieder zugeht.

00:56:37: Also, da werden jetzt gerade gar keine Experimente mehr gemacht im TV und in den Streaming-Serien.

00:56:44: Sondern im Gegenteil ...

00:56:45: Die sind ja eigentlich dadurch entstanden dass die zum Beispiel HBO nicht mehr weiter wusste und dir das Heft einigen Leuten in die Hand gegeben haben Und die haben dann so Branos geschrieben oder solche Sachen.

00:56:57: Ja oder an Therapie.

00:56:58: vielleicht haben sie an Therapies gesehen.

00:57:00: und dann dachte man Früher hätte man sich nie getraut und plötzlich war sowas möglich.

00:57:04: und dann war es auch noch erfolgreich.

00:57:07: Und dann dachte man jetzt, wenn man den Künstlern freie Hand lässt.

00:57:11: Dann entsteht Fantastisches glaube ich nach wie vor dran aber sie leider nicht mehr.

00:57:17: Die Produzenten nicht mehr aber da ist die Theaterwelt und ich kann es hier jetzt auch nochmal sagen die subventionierte Theaterwelt eben dann eigentlich wieder ein guter.

00:57:28: ist das dann ein Rückzugsort auch wieder um solche Experimente zu wagen?

00:57:32: Ja ich habe gemerkt dass Theaterist und bleibt der Ort, der freiste Ort für die Sprache.

00:57:41: So frei sprachlich kann man glaube ich an keinem anderen Ort sein.

00:57:45: Man kann Lyre schreiben, man kann Dialoge schreiben und man kann Prusalschreiben.

00:57:52: Und da habe ich jetzt die Sehnsucht wieder gehabt in diese Freiheit zu gehen.

00:57:57: Okay Laura Deweckig danke dir ganz herzlich für diesen Dialog!

00:58:01: für dieses Gespräch, dass du den Weg nach Malans gefunden hast und Ihnen allen.

00:58:05: Meine Damen und Herren ganz herzlichen Dank, dass Sie als Zuhörerinnen hierher gekommen sind.

00:58:11: Danke schön!

00:58:11: Vielen Dank!

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